Gruppen & Netzwerke

Liste aus dem Buch von Jonas Engelmann & Jonas Mies.

 

Selbstorganisationen

The VOICE Refugee Forum
1994 als The Voice Africa Forum von afrikanischen Flüchtlingen in einem Lager bei Jena gegründet. Zuerst exilpolitisch ausgerichtet, erweiterte sich die Gruppe bald auf Nicht-Afrikaner und stellte die Lebensbedingungen von Asylsuchenden und den Kampf gegen Isolationslager in den Mittelpunkt.

 

Jugendliche ohne Grenzen
Seit 2005 sind in Jugendliche ohne Grenzen jugendliche Flüchtlinge vernetzt, die sich vor allem für ein Bleiberecht und für die Umsetzung von Kinderrechten einsetzen.

 

Karawane für die Rechte der Flüchtlinge und MigrantInnen
1998 aus einer von The VOICE initiierten Tour entstandenes bundesweites Netzwerk selbstorganisierter Flüchtlingsgruppen. Die Aktionsform der Karawanentour richtete sich mit zivilem Ungehorsam gegen die Residenzpflicht
sowie gegen die Isolierung der Asylsuchenden.

 

Women in Exile
Da Flüchtlingsfrauen doppelt unter Diskriminierung zu leiden haben, gründete sich 2002 das Netzwerk Women in Exile. Ihr Kampf gilt vor allem den Gemeinschaftsunterkünften, die durch die beengten Bedingungen keinen Schutz vor sexualisierter Gewalt bieten.


NoLager-Netzwerk
Netzwerk von Flüchtlingen und UnterstützerInnen, das seit 2002 gegen das System von Flüchtlingsheimen,  Isolationslagern und Abschiebegefängnissen protestiert und HeimbewohnerInnen bei der Selbstorganisation unterstützt.

 

Selbstorganisierte Gruppen der neuen Proteste seit 2012

Refugee Struggle for Freedom
Bayerische Vernetzung von Flüchtlingen, Initiatoren der Märsche nach Berlin und München.


Refugee Tent Aktion
Dezentrale Protestcamps, die sich 2012 von Würzburg ausgehend ausbreiten. Im Gegensatz zu zentralen Protesten und Protestmärschen, die eine Missachtung der Residenzpflicht darstellen, geht diese Aktionsform für die Asylsuchenden
mit einem geringeren Risiko einher.


Refugee Strike Berlin
Gruppe des Berliner Camps am Oranienplatz und der nachfolgenden Proteste.

 

Lampedusa in Hamburg
Flüchtlinge mit eigenem Status, die nach ihrer Flucht vor dem Krieg in Libyen in Italien zunächst eine Aufenthaltsgenehmigung für den Schengenraum erhalten haben, dann jedoch in andere Länder geschickt wurden.
Öffentlichkeitswirksame Proteste in Hamburg mit großer Unterstützung durch Kulturschaffende.

 

Aktionskreis unabhängiger Non-Citizen Kämpfe
Gruppe von fünf Iranern, die mit dem Zunähen ihrer Lippen in Würzburg, mit der Ausrufung der Tent Action, dem »Refugee Struggle Congress« in München und der Etablierung des Non-Citizen-Begriffs die Flüchtlingsproteste seit 2012 maßgeblich geprägt haben.

 

Freedom not Frontex
Europaweiter Marsch nach Brüssel mit Gruppen in Strasbourg, Brüssel, Berlin und den Niederlanden.

 

Nicht-selbstorganisierte asylpolitische Netzwerke

Pro Asyl
1986 gegründete Menschenrechtsorganisation, die sowohl Flüchtlingen in ihren einzelnen Asylverfahren hilft, als auch politische Öffentlichkeitsarbeit leistet. Sie arbeitet eng mit den Flüchtlingsräten zusammen.

 

Flüchtlingsräte
Die Flüchtlingsräte sind ab den 1980er-Jahren entstanden und variieren je nach Bundesland. Sie sind über Pro Asyl bundesweit vernetzt und bewegen sich ähnlich zwischen Einzelfallunterstützung, Öffentlichkeitsarbeit und Offenheit für Zusammenarbeit mit aktivistischeren Gruppen.

 

Kein Mensch ist illegal
Ab 1997 bundesweite Struktur zur Vernetzung vor allem autonomer antirassistischer Gruppen, aber auch kirchlicher und gewerkschaftlicher Initiativen. Initiierung der No Border-Camps, aus denen das internationale No Border-Netzwerk hervorging. Ab 2004 löste sich Kein Mensch ist illegal zunehmend auf, der Name lebt jedoch in lokalen Gruppen und als Slogan fort.

 

Internationale asylpolitische Netzwerke

NoBorder-Netzwerk
Europaweite Vernetzung autonomer Gruppen, die aus den No Border-Camps hervorging.


Afrique-europe Interact
Kleines, transnationales Netzwerk, in dem seit 2010 AktivistInnen teilweise mit Migrations-, Flucht- und Abschiebungsgeschichte aus afrikanischen und europäischen Ländern zusammenarbeiten. Neben dem Kampf gegen
Frontex und für nicht-reglementierte Fluchtwege (z. B. die Initiative »boats4people «), thematisiert das Netzwerk
gemeinsam mit Bewegungen in Afrika auch Migrations- und Fluchtgründe wie Landgrabbing.


Welcome to Europe
Wie Afrique-europe Interact ging auch das transnationale Netzwerk Welcome to Europe aus dem No Border-Camp von
2009 in Lesbos hervor. Es beobachtet vor allem die europäische Außengrenze in Griechenland und unterstützt die
von dort kommenden Flüchtlinge auf ihrem Weg durch Europa.


Borderline-europe
Borderline Europe ist eine europaweit vernetzte NGO, die seit 2007 die Situation an den Außengrenzen Europas dokumentiert und Initiativen zur humanitären Hilfe an den Grenzen unterstützt.