No Border Buch

In ihren biographischen Texten haben die Jugendlichen Evin aus dem Iran, Ayla aus Syrien, Richard aus Ghana und Ahmad  aus Afghanistan die Geschichte ihrer Flucht und ihres Ankommens in Deutschland aufgeschrieben.

Sie berichten über ihr Leben als Zuwanderer_innen und zeigen, dass Freiheit, eine Familie oder ein Pass wichtiger sein können, als materielle Sicherheiten.

 

Unterstützt wurden sie von der Düsseldorfer Autorin Pamela Granderath. Illustriert ist „No Border“ mit fotografischen Arbeiten von Studenten aus dem Projekt „Nirgendwo ist hier".


Das No Border Buch ist da!

„No Border“ ist in einer Auflage von 6.000 Exemplaren erschienen und gibt es nicht zu kaufen sondern nur bei SJD – Die Falken, STAY! und im zakk kostenlos.

Meldet Euch bei uns: kontakt@no-border.info oder telefonisch 0211. 929440.

 

Buchpräsentation mit Ayla, Evin, Richard und Ahmad am 8. Januar im zakk

 

 

Vorwort No Border Buch

»No Border« ist ein Gemeinschaftsprojekt von SJD − Die Falken, dem soziokulturellen Zentrum zakk und der Flüchtlingsinitiative STAY! in Düsseldorf. Es wurde durch das Bundesprogramm »Kultur macht stark« im Rahmen von
»Jugend ins Zentrum« der Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren gefördert.


Prolog
Sommer 2013:
• Überfüllte, veraltete oder gekenterte Boote.
• Bilder von ertrunkenen Menschen vor der Küste Italiens.
• Flüchtlinge aus Syrien, die vor dem Krieg fliehend in Deutschland Asyl suchen.
• Überfüllte Asylunterkünfte. Menschen mit zu wenig Raum, ohne Privatsphäre.
• Rassistische Stimmung gegen Asylunterbringungen in Wolgast, Berlin-Hellersdorf und Duisburg.
• »Schon am ersten Tag, als in der Öffentlichkeit bekannt wurde, dass aus dem ehemaligen St. Barbara-Krankenhaus eine Flüchtlingsunterkunft werden könnte, machte sich in Duisburg-Neumühl eine beunruhigende Stimmung breit. Diese fand ihren bisherigen Höhepunkt bei der letzten PRO NRW Kundgebung in Neumühl am 05.10.2013: Etwa 200 Anwohner_innen jubelten den rassistischen Parolen der Rechten zu, während sie gleichzeitig den antirassistischen Protest auspfiffen und bedrohten.« (»Erinnern heißt Handeln«-Aufruf)

 

Was klingt wie eine Beschreibung der rassistischen Stimmung Anfang der 1990er, die sich weit in die bürgerliche Mitte der Gesellschaft erstreckte, und die Pogrome in Rostock-Lichtenhagen, Hoyerswerda, Mölln, Solingen und anderswo
zur Folge hatte, ist 20 Jahre später leider wieder aktuell.

Obwohl die gesellschaftliche Akzeptanz gegenüber der Aufnahme von Flüchtlingen ebenso zugenommen hat wie das ehrenamtliche Engagement vieler Bürger_innen für die Belange dieser Menschen, hat die Zahl rechtsradikaler Angriffe auf Flüchtlingsheime stetig zugenommen: Allein bis zum September 2014 ereigneten sich mit 86 Übergriffen schon doppelt so viele wie in den Jahren 2012 (24) und 2013 (58). Da »nur« eindeutig rechtsextreme Angriffe wie eingeworfene Scheiben, Brandstiftung oder aufgemalte Hakenkreuze gezählt werden, muss von einer großen Dunkelziffer  ausgegangen werden, zu der auch die an die Öffentlichkeit gedrungenen rassistischen Gewaltexzesse der Securitymitarbeiter_innen in den Asylunterkünften in Burbach, Essen und Bad Berleburg (NRW) zählen würden.

 

Ihre jüngsten Wahlerfolge bei den Landtagswahlen in Thüringen und Brandenburg 2014 erzielte die Partei AfD mit rechtspopulistischen und rechtsextremen Parolen gegen »Zuwanderung«, mit denen auch der Partei Die Rechte bei den Kommunalwahlen in NRW der Einzug in den Stadtrat von Dortmund gelang. Die rechtsextreme Initiative »Hooligans gegen Salafismus« bedient ganz offen muslimfeindlichen Rassismus. Seit Oktober 2014 versammeln sich Menschen in Dresden unter dem Banner »PEGIDA- Patriotische Bürger gegen die Islamisierung des Abendlandes«, Ableger gründeten
sich inzwischen auch in anderen Städten, um gegen die vermeintliche Bedrohung durch »Überfremdung«, »Islamisierung« und Zuwanderung zu demonstrieren. Das Bündnis PEGIDA veranstaltet wöchentliche »Spaziergänge«, denen sich mittlerweile 7500 Bürger_innen angeschlossen haben und bei denen Deutschlandflagge und rassistische Parolen zur Tagesordnung gehören. Die regelmäßig durchgeführte, repräsentative Studie »Die stabilisierte Mitte. Rechtsextreme Einstellungen in Deutschland 2014« der Uni Leipzig kommt zu dem Ergebnis,
dass die Vorurteile und Abwertungen gegenüber Sinti und Roma (47−55 %), Muslimen (36−42 %) und Flüchtlingen (55−76 %) in besorgniserregendem Maße gestiegen sind, so dass von einem Rassismus bis tief in die Mitte der Gesellschaft gesprochen werden kann.

 

Wer mit Rechtspopulismus und Parolen wie »Das Boot ist voll« oder »Sozialleistungsbetrug von Zuwanderern« auf Stimmenfang geht, der ist Motor für Rassismus und Rechtsextremismus. Die Bundesregierung trägt mit ihrer
seit den 1990iger-Jahren restriktiv umgesetzten Flüchtlingspolitik, die sich in immer weiteren Verschärfungen der
Asylgesetzgebung in Deutschland und Europa widerspiegelt, eine Mitverantwortung am gegenwärtigen Rassismus
und der Situation von Flüchtlingen.

 

Dieser Stimmung wollen wir mit dem Buch »No Border« etwas entgegensetzen, Rassismus und Rechtsextremismus bekämpfen und für Solidarität, Respekt und Toleranz werben. Das Projekt will Flüchtlingsjugendliche aus der Isolation holen und stattdessen das Gefühl vermitteln, willkommen und angenommen zu sein. Ayla, Victor, Richard, Achmed und
EviN, Jugendliche mit Flüchtlingsgeschichte, haben mit der Autorin Pamela Granderath biografische Texte geschrieben, die Einblicke in Vergangenes und Gegenwärtiges gewähren. So werden das Leben und die Zukunftswünsche eines Heranwachsenden in Ghana beschrieben, eine unglaubliche Flucht von Afghanistan nach Deutschland in Worte gefasst, der umständliche Weg durch deutsche Behörden formuliert und der Jahre dauernde Kampf um eine ständige Aufenthaltsgenehmigung dokumentiert. Zum Teil satirisch, mal fordernd oder schonungslos, berichten die Jugendlichen über ihr Leben als Zuwanderer_innen und zeigen, dass Freiheit, eine Familie oder ein Pass wichtiger sein können, als materielle Sicherheiten.

 

Informative, aufklärerische Sachtexte widmen sich der europäischen und deutschen Asylpolitik, Frontex, Rassismus, außerparlamentarischem Widerstand und künstlerischen Interventionen gegen Abschiebung und Rassismus. Diese Beiträge sind das Ergebnis von Workshops mit Jugendlichen, in denen sie sich inhaltlich mit den Themen auseinandergesetzt haben. Des Weiteren findet sich im Buch ein Downloadlink zu drei Songs, in denen die Jugendlichen unter der Leitung des Musikers und Komponisten Michio Woirgardt ihre Texte in Songs verarbeitet und sie professionell aufgenommen haben.

Illustrativ und fotografisch wird »No Border« durch die Arbeiten von vier Student_innen ergänzt, die im Rahmen des vom Flüchtlingsrat NRW initiierten Projekts »Nirgendwo ist hier« entstanden sind. Mit »No Border« wollen wir deutlich Position beziehen: Flüchtlinge haben das Recht auf ein Leben im privilegierten Europa; wir treten ein für eine Welt ohne Grenzen!

 

Bedanken möchten wir uns bei allen Teilnehmer_innen, ohne die dieses Buch und die Songs nicht entstanden wären, bei Pamela Granderath, Michio Woirgardt, Johannes Arend, Latifa Kebba, Haitam Khalil, Michael Lukas, Paula Bulling, Julian Janisch, Jonas Engelmann, Oliver Schmitt und allen, die am Entstehen des Projekts mitgewirkt haben und die wir jetzt nicht namentlich genannt haben.
Unser Dank gilt insbesondere allen, die gegen Faschismus, Rechtsradikalismus, Sexismus und Rassismus und für Solidarität, Toleranz und Humanismus eintreten.


No Border − No Nation! Refugees Welcome!

 

Torsten Nagel, Robby Hillmans, Oliver Ongaro